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Juli 2009

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Atelier-Spaziergang 2009 (Tag der offenen Ateliers) Region Hannover - Nachlese

An zwei Sonntagen hintereinander - jeweils nur am Sonntag - fand in Hannover und Umgebung wieder der Atelierspaziergang statt, am 28. Juni und am 5. Juli 2009. In einer Broschüre wurden die Teilnehmer auf jeweils einer Seite mit Bildbeispiel vorgestellt. Hier eine kleine Nachlese, mit ein paar Fotos, die ich aufgenommen habe:

An dem ersten Sonntag haben wir zunächst in Wunstorf das Atelier von Ursula Krämer besucht - geb. 1953 in Hannover. Gerade noch gleichzeitig zeigte der Kunstverein Wunstorf in der Stadtkirche als "Kunst im Turm" Werke derselben Künstlerin, s. http://kunstverein-wunstorf.de
Die folgenden Aufnahmen aber sind in ihrem Atelier entstanden:

Atelier-offen-VII09-02

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"Den Blick auf Dinge zu werfen, die durch Gewöhnung unsichtbar geworden sind, ist seit Jahren immer wieder der Ausgangspunkt für meine Malerei", sagt Ursula Krämer. "Ich möchte Sehgewohnheiten 'unter die Lupe nehmen' und das verweilen üben ..."

Atelier-offen-VII09-04

Es folgen einige Eindrücke aus der Helmkestr. 5 A in Hannover-Hainholz, einem Gemeinschaftsatelier in einer alten Fabrik.  
Als ein ausgesprochen vielseitiger Künstler erscheint hier Eric Pina, geb. 1972 in Thiès im Senegal.

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"Das zentrale Thema meiner Arbeit ist die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt", so Eric Pina. "Stark beeinflusst wurde ich hierzu bei meiner ersten Reise vom Senegal nach Frankreich - für mich ein kultureller wie auch sehr emotionaler Schock."

Atelier-offen-VII09-10 Pina arbeitet mit Ölfarben, teilweise sehr großflächig, figürlich und in Reliefs aus Pappmaché.










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Das Wandrelief aus Pappmaché, hier etwas näher gezeigt ...










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Dies große Menschenbild auf Packpapier Eric Pinas empfängt einen beim Aufgang im Treppenhaus.


Auch Sergej Tihomirov, geb. 1965 in Moskau, hat sein Atelier in der Helmkestr.
"Ich strebe danach, in meinen Bildern vielfältige Grenzen um uns, in uns selbst, zwischen hier und da, oben und unten mit den Mitteln der Malerei durchlässig zu machen, dabei auch die Grenze zwischen gegenständlicher und abstrakter Malerei zu ignorieren und zu überqueren ..."

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Tihomirov arbeitet auch grafisch - hier zwei verschieden farbige Andrucke vom Linolschnitt zum Jonas-Thema.






Eine ganz andere Malweise - nämlich mit ihrem eigenen Körper - hat Anja Köck, geb. 1967 (kein Ort angegeben), eine intime Tätigkeit, weshalb sie auch um Zeiten bittet, in denen sie in ihrem Atelierteil alleine arbeiten kann.

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"Meine künstlerische Arbeit gilt der Verbindung von Körper, Bewegung (= Tanz) und Malerei. Dabei steht der Arbeitsprozess im Vordergrund. Er wird inspiriert durch Musik."

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 Die Künstlerin (links) mit einer Besucherin des Atelierspaziergangs. Soweit zur Helmkestr.

Interessant sind weiterhin Ulrike Grest (geb. 1956) und Gerhard Merkin (geb. 1950); ihre Werke meine ich natürlich. Die beiden sind ein Paar, haben aber getrennte Ateliers in verschiedenen Stockwerken - in Vahrenwald in der Wörthstr. 15. Gelegentlich schaffen sie ein gemeinsames Werk.

Nähere Informationen finden sich beim http://www.kunstraum-hannover.de (Ulrike Grest)
 und hier: http://www.kunstraum-hannover.de (Gerhard Merkin). Von diesen Seiten habe ich auch die beiden Bildbeispiele übernommen:

Atelier-offen-VII09-33-grest

 "Die Geheimnisse der Natur I", Öl auf Leinwand,

von Ulrike Grest

 Atelier-offen-VII09-34-merkin                                                                                                            

                                      "Eukalyptus" von

Gerhard Merkin





Durch ihre ganz eigene künstlerische Arbeitsweise fällt  Anneke Schepke, geb. 1964 in Hamburg, aus jedem Schema heraus. Sie macht "Cuts" - sie schneidet aus einem Kunststoffmaterial Formen, die auf verschiedene Weise verwendet werden: als Relief; aufgehängt wie eine Art Mobile beispielsweise.

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"Anneke Schepke bringt den Cut, den Schnitt selbst, ins Zentrum ihrer künstlerischen Arbeiten. Ihre Cuts sind ein Diskurs über die Verhältnisse von Schnittlinie, Fläche und Raum" (Bodo Dringenberg).

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Und dann haben wir noch Bernhard Kock kennengelernt, geb. 1967 in Meppen, der sein Atelier in Linden in der Stärkestr. 27 hat.

Über ihn erfährt man mehr auf seiner eigenen Seite.

Von dort habe ich auch das Bildbeispiel entnommen: 

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"Rot Variation Nr. 10" von Bernhard Kock. 

(C) Text und die meisten Bilder: Helge Mücke, Hannover - Zitate und andere Bildquellen wie angegeben


Francesco Lamazza - Künstler bei Streets of Arts, Serie, Folge 4

Francesco Lamazza - Künstler bei Streets of Arts,
Serie, Folge 4

Teil 4 der Serie über die KünstlerInnen des gemeinnützigen Vereins "Streets of Arts - Wege zur Kunst" - Teil 1 ist hier zu finden, Teil 2 hier, Teil 4 hier



Die KünstlerInnen von Streets of Arts e.V.

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Francesco Lamazza - Ohne Titel, Öl auf Karton, 21 x 28 cm



Francesco Lamazza
geb. 1948 in Italien (Kalabrien)‏


Seine Bilder sind zwar abstrakt – aber eindeutig: es sind Landschaftsbilder.
Bilder imaginärer Landschaften.
Seine farbstarken Bilder sind (so empfinde ich es) immer Ausdruck eines
Zusammentreffens von Norden und Süden:
Die Glut des warmen Südens vereint sich mit der Melancholie des kühlen Nordens.
(Text Helge Mücke, Hannover)
Aus einem Katalogtext:
„Wir stehen vor einer überreichen „lichtdurchdrungenen“
Farbpalette, in der grelle, metallische Töne die positive Aggressivität
des Pinselstriches unterstreichen.“

Sibylle Lewitscharoff und Judith Hermann in Hannover - Nachlese der Lesungen im Mai-Juni 2009

Sibylle Lewitscharoff und Judith Hermann in Hannover - Nachlese der Lesungen im Mai-Juni 2009

Das Sprechen der Lebenden mit den Toten oder mit den gerade noch nicht Toten, den Sterbenden - das ist ein Motiv, das den Texten beider Autorinnen gemeinsam ist.
Sibylle Lewitscharoff schickt zwei Schwestern mit den Särgen von 19 Exilbulgaren, darunter deren Vater, auf die Reise in die Urheimat; Judith Hermann bindet fünf Erzählungen, mit derselben Hauptperson Alice, zusammen, die alle mit dem Tod und dem Sterben zu tun haben.


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Sibylle Lewitscharoff bereitet sich auf die Lesung vor, die im Rahmen der Reihe "NDR kultur - Autoren lesen" stattfand - deshalb der Mikrofonwald.

Sie gehen den Themenkreis völlig unterschiedlich an: Bissig, schwarzhumorig die eine, auf stille, nüchterne Weise die andere. Bei beiden Lesungen wurde wieder einmal besonders deutlich, welch großen Gewinn es bedeutet, die Lesungen der Literaturetage Hannover zu besuchen - wieviel mehr man über Werk und Dichtung erfährt. Deshalb auch an dieser Stelle noch einmal große Dankbarkeit an Kathrin Dittmer, die als Leiterin des Literaturbüros dies alles unermüdlich, mit Gespür und Kompetenz, organisiert und betreut - und ihr zu Ehren dieses Bild, das zwar die Autorin nur schemenhaft zeigt, aber dafür den Charme der Begrüßung ahnen lässt.

Lit-Hermann-VI-09bb-dittmer 

Zudem hat Sibylle Lewitscharoff ihren eigenen Text - die Auszüge aus  "Apostoloff" - hervorragend gelesen: mit Sprachgestaltung und Mimik, mit schauspielerischen Qualitäten. Und sie versteht es, im Gespräch Einblick in ihren Schreibprozess zu gewähren. Da ist die Familie der bulgarischen Einwanderer, da ist der Selbstmord des als Arzt erfolgreichen Vaters - das alles hat biografische Bezüge. Und es gibt Gelegenheit, in der Rolle der jüngeren Schwester mit den großen Fehlern in Bulgarien (Verbauung der Schwarzmeerküste, Hochhausarchitektur usw.) abzurechnen. "Eine große Autorin - scharfsinnig, kunstvoll, berauschend", so sieht es die Jury des Preises der Literaturhäuser, den sie 2007 bekommen hat. 2009 ist der Leipziger Buchpreis dazugekommen. Die Anbindung an höhere Welten ist der Religionswissenschaftlerin naheliegend - Musik spiele eine große Rolle für sie, sie rühre unmittelbar ans Göttliche. Musikalität - Rhythmik - deshalb auch in ihren Texten. Man bekomme Worte geschenkt, begeistert sich der Moderator Joachim Dicks und nennt als Beispiele Kummerkristall und Glücksschub. Deutlich wurde, dass Frau Lewitscharoff zu den Autoren gehört, die immer wieder an ihren Texten herumfeilen, sich die Version halblaut vorlesen, wieder ändern usw. Und: Sie verzweifle am heute ständig exzessiv gebrauchten Präsens

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Judith Hermann und NDR-Redakteurin Ulrike Sákárny (rechts) vor der Lesung. 

Auch das Gespräch mit Judith Hermann war sehr erhellend - erstaunlicherweise muss man hier sagen, sie hat sich in Hannover besonders öffnen, freimütig reden können - was gewiss zu einem großen Teil der klugen Gesprächsführung von Ulrike Sákárny zu verdanken ist. Judith Hermann schreibt wenig und langsam. Sie erzählt von den "magischen Begegnungen" mit ihrem Lektor - jährliche Treffen, wunderbare Abende, bei denen erst ganz am Schluss ganz zurückhaltend die Frage kam, wie weit sie denn sei. Nun ist sie also so weit: "Alice", eine Art Roman, fünf Erzählungen mit der einen verbindenden Person, Alice eben, die man übrigens auf berlinerische Art A-li-ze aussprechen sollte (nicht französisch).

Den "schwebenden" Charakter, den die Rezensionen immer so hervorheben, auch als "Judith-Hermann-Sound" bezeichnen, erreiche sie auf zwei Ebenen, von denen nur die eine völlig mit Bewusstsein betreten werde: Sie verknüpfe die Personen bewusst nicht mit genauen Fakten wie Beruf usw.; die Leerstellen auf einer zweiten Ebene ergäben sich durch das Thema, sie könne nicht alles direkt erzählen, das schaffe Privatheit, Intimität, Schutzraum. Der Leser müsse den Text mit Emotionen aufladen, die er selber erzeuge. In diesem Buch werde wenig explizit von Trauer gesprochen. Während des Schreibens habe sie eine Zeichnung von Paul Flora liegen gehabt: "The Great Beach", ein vielsagendes Bild aus lediglich 17 Strichen! Das sei eine Art Vorbild. Sie arbeite wie ein impressionistischer Maler. "Auf jeden Fall bin ich eine Kurzgeschichten-Autorin", sagt Judith Hermann.

Ich höre auf, der Rest sind Leerstellen ... 

Aber hier noch der Hinweis auf meinen früheren Übersichtsartikel, denn dort können Sie Näheres über die beiden Bücher erfahren: Übersicht Lesungen Mai-Juni 2009

© Text und Bilder: Helge Mücke, Hannover